Das eine Kind
„Es rennt den ganzen Tag, rangelt mit allen und merkt gar nicht, wenn es andere anstößt.“
- bewegungsfreudig, laut, immer präsent
- sucht starke, feste Reize
- auf der Suche nach Grenzen
Unruhe, Distanzlosigkeit, Rückzug: Was im Gruppenalltag als Verhalten auffällt, ist häufig ein Thema der Sinneswahrnehmung. Wer verstehen lernt, was ein Kind sucht oder meidet, kann den Alltag im Vorfeld darauf ausrichten.
Ich komme als Fortbildung ins Haus – ein bis vier Tage, für das ganze Team.
„Es rennt den ganzen Tag, rangelt mit allen und merkt gar nicht, wenn es andere anstößt.“
„Es fasst nichts Matschiges an und zuckt zusammen, wenn man es von hinten berührt.“
In der Fachsprache heißen sie Reizsucher und Reizvermeider. Beide nehmen Reize anders wahr als erwartet: die einen zu schwach, die anderen zu stark. Beides zeigt sich im Verhalten – und beides wird im Alltag leicht als Trotz, Aggression oder Schüchternheit gedeutet.
Unterempfindlich. Berührungsreize kommen kaum an, nur starke Reize werden im Gehirn registriert. Das Kind verschafft sie sich selbst.
Überempfindlich. Reize kommen zu stark an. Das Kind schützt sich, indem es ausweicht – das wird oft als Schüchternheit missverstanden.
Der Haken dabei: Reizsucher sind zugleich Reizvermeider. Weil sie zarte, diffuse Berührungen nicht einordnen können, überdecken sie diese mit starken Reizen. Wer das weiß, deutet dasselbe Verhalten völlig anders.
Das Wahrnehmungshaus von Ute Junge zeigt es auf einen Blick: Alles, was sich Kitas für ihre Kinder wünschen, steht ganz oben – und ruht auf den Sinnen.
Das Wahrnehmungshaus © 2012 Ute Junge. Abbildung mit freundlicher Genehmigung. Zum Buch von Ute Junge (öffnet in neuem Tab)
Ganz oben Mut, Selbstvertrauen, Vertrauen, Toleranz und Verantwortungsgefühl für sich und andere. Direkt darunter Motivation, Aufmerksamkeit, Aufnahmefähigkeit, Konzentration und soziales Verhalten – genau das, woran im Kita-Alltag alles hängt.
Muskeltonus und Gleichgewichtsreaktion, Körperschema und Lateralität, Auge-Hand-Koordination, Bewegungsplanung und Raumwahrnehmung – vier Reihen, die aufeinander aufbauen.
Die drei Nahsinne – Tasten, Eigen- und Tiefenwahrnehmung, Gleichgewicht – tragen den größten Teil. Dazu kommen die vier Fernsinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken.
Ein Haus baut man von unten. Wenn im Fundament etwas fehlt, wackeln die Stockwerke darüber – und sichtbar wird das erst oben: beim Stillsitzen, beim Zuhören, im Umgang mit anderen Kindern. Dort anzusetzen, wo es auffällt, hilft dann wenig. In der Sensorischen Integration nach Ute Junge arbeiten wir deshalb vorwiegend mit den Nahsinnen.
Sensorische Integration ist kein Zusatzangebot für einzelne Kinder. Sie verändert, wie ein Team den ganzen Tag gestaltet.
„Nicht das Kind sollte sich der Umgebung anpassen, sondern wir sollten die Umgebung an das Kind anpassen.“
Sensorische Integration ersetzt keine Therapie und keinen Arzt. Sie ist ein ergänzendes, alltagstaugliches Angebot – und gerade deshalb im Gruppenalltag wirksam.
Wie viel vom Gelernten bleibt, hängt davon ab, wie es aufgenommen wurde. Wer einen Reiz selbst gespürt hat, weiß, was er einem Kind zumutet.
Im Seminar gibst und bekommst du Reizsetzungen selbst: Creme, Speisestärke, Rasierschaum, Gewichtskissen, Druck mit dem Pezziball, Klangschalen, die Hängematte. Dazu kommen Videobeispiele aus der Praxis und der Austausch über Kinder aus euren eigenen Gruppen.
Diese Pause ist kein Leerlauf. Im Seminar ist sie einer der wichtigsten Punkte: Ohne sie legt sich Reiz über Reiz, das Kind wird unruhig und findet schlecht zurück ins Geschehen.
Ein Konzeptpapier über Wahrnehmungsförderung im Regal verändert noch keine Gruppe.
Ein Vortrag trägt, solange er frisch ist. Nach zwei Wochen ist davon wenig übrig.
Ein Video zeigt, wie ein Kind reagiert – aber nicht, wie sich der Reiz anfühlt.
Video und Erklärung zusammen: Jetzt entsteht ein Bild davon, was im Kind vorgeht.
Im Austausch über ein Kind aus der eigenen Gruppe wird aus Wissen eine Einschätzung.
Wer die Creme selbst auf dem Arm gespürt hat, weiß, was er einem Kind zumutet. Das vergisst man nicht mehr.
Tippe eine Zeile an, um mehr zu erfahren.
Länge und Inhalt gestalten wir gemeinsam nach euren Bedürfnissen. Ein einzelner Tag geht, vier auch. Empfehlen würde ich mindestens zwei: bei einem einzigen Tag kommt das eigene Ausprobieren zu kurz, und genau davon bleibt am meisten hängen.
Tag 1
Tag 2
Tag 3
Ich komme zu euch. Das ganze Team lernt gemeinsam, die Beispiele kommen aus euren Gruppen, und die Räume, über die wir sprechen, sind eure eigenen. Termin und Umfang stimmen wir miteinander ab.
Einzelne Fachkräfte können über Veranstalter wie den Kinderschutzbund, Volkshochschulen oder „Seminare die bewegen“ teilnehmen. Die Anmeldung läuft dort direkt.
Für wen? Erzieher*innen, Kita-Leitungen, Lehrer*innen, Logopäd*innen, Ergotherapeut*innen, Heilpädagog*innen, Tagespflegepersonen und alle, die mit Kindern zwischen null und zehn Jahren arbeiten. Vorkenntnisse sind nicht nötig.
Zum Ausprobieren: mein Rezept für selbstgemachte Knete – eines der Materialien aus dem Seminar, frei zum Nachmachen.
Erzieherin, Therapeutin für Sensorische Integration und lizenzierte PEKiP-Gruppenleiterin.
Seit über 30 Jahren arbeite ich mit Kindern – und seit dem Jahr 2000 mit dem Ansatz der Sensorischen Integration nach Ute Junge. Was mich bis heute trägt, ist der Moment, in dem ein Team ein Kind plötzlich anders sieht: nicht mehr als anstrengend, sondern als jemanden, der etwas braucht.
Meine Seminare kommen aus der Praxis. Ich arbeite weiterhin selbst in der heilpädagogischen Förderung, und die Videobeispiele, über die wir sprechen, stammen aus meiner eigenen Arbeit.
Die Theorie der Sensorischen Integration geht auf die amerikanische Beschäftigungstherapeutin und Entwicklungspsychologin Jean Ayres (1920–1989) zurück. Ins Deutsche übersetzt wurde sie von Inge Flehmig, verbreitet im deutschsprachigen Raum vor allem durch Ute Junge und Ulla Kiesling. Auf Ute Junges Wahrnehmungshaus baut dieses Seminar auf.
„Etwas, was man nicht kann, kann man nicht üben.“
Rückmeldungen aus den Feedbackbögen der Lehrgangsreihe. In den Kategorien „Inhalt ist interessant“ und „anwendbar für die eigene Arbeit“ gaben die Teilnehmenden durchgängig die Bestnote.
„Kann vieles mitnehmen und verstehe die Bedürfnisse der Kinder viel besser und weiß jetzt mehr, wie ich sie im Alltag besser begleiten kann.“
„Richtig tolles Seminar mit so vielen Anregungen für die Praxis, aber auch das theoretische Wissen wurde klar und einfach vermittelt.“
„Kerstin ist sehr gut und viel auf unsere Fragen zur Praxis eingegangen. Dadurch kann ich mir viel mitnehmen.“
„Ein zweites Wochenende wäre wünschenswert, für noch mehr so großartige Inputs – die Zeit war zu kurz.“
Diese Seminare können einzelne Fachkräfte direkt beim jeweiligen Veranstalter buchen. Die Anmeldung läuft nicht über mich.
Zurzeit sind keine offenen Termine ausgeschrieben. Frag gern direkt an – Inhouse-Fortbildungen sind ganzjährig möglich.
Weitere Termine bei Volkshochschulen und Städten werden hier ergänzt, sobald sie feststehen.
Schreib mir, was dich beschäftigt – ein paar Sätze genügen. Ich melde mich und wir klären gemeinsam, was zu eurem Team passt.
Eine formlose E-Mail reicht völlig.
Inhouse-Fortbildungen sind ganzjährig möglich. Für Termine in der zweiten Jahreshälfte lohnt eine Anfrage im Frühjahr.