Jedes Kind, das stört, sucht etwas.

Unruhe, Distanzlosigkeit, Rückzug: Was im Gruppenalltag als Verhalten auffällt, ist häufig ein Thema der Wahrnehmung. Wer versteht, was ein Kind sucht oder meidet, kann anders darauf antworten.

Ich komme als Fortbildung ins Haus – ein bis drei Tage, für das ganze Team.

Das eine Kind

„Er rennt den ganzen Tag, rangelt mit allen und merkt gar nicht, wenn er andere anstößt.“

  • bewegungsfreudig, laut, immer präsent
  • sucht starke, feste Reize
  • auf der Suche nach Grenzen

Das andere Kind

„Sie fasst nichts Matschiges an und zuckt zusammen, wenn man sie von hinten berührt.“

  • schaut erst einmal zu
  • meidet Berührung und Matsch
  • braucht Sicherheit und Übersicht

Zwei Kinder, die gegensätzlich wirken – und dasselbe Thema haben

In der Fachsprache heißen sie Reizsucher und Reizvermeider. Beide nehmen Reize anders wahr als erwartet: die einen zu schwach, die anderen zu stark. Beides zeigt sich im Verhalten – und beides wird im Alltag leicht als Trotz, Aggression oder Schüchternheit gedeutet.

Unterempfindlich. Berührungsreize kommen kaum an, nur starke Reize werden im Gehirn registriert. Das Kind verschafft sie sich selbst.

  • Spürt die Grenzen des eigenen Körpers nicht – wirkt distanzlos
  • Merkt nicht, wenn es andere Kinder anstößt
  • Rangelt, rauft, sucht gefährliche Situationen
  • Schmerzempfindlichkeit ist herabgesetzt, fällt hin ohne Reaktion
  • Klettert überall hoch, springt von allem herunter
  • Kommt schwer zur Ruhe, ist scheinbar immer in Bewegung

Der Haken dabei: Reizsucher sind zugleich Reizvermeider. Weil sie zarte, diffuse Berührungen nicht einordnen können, überdecken sie diese mit starken Reizen. Wer das weiß, deutet dasselbe Verhalten völlig anders.

Warum das für Konzentration und Sozialverhalten entscheidend ist

Das Wahrnehmungshaus von Ute Junge zeigt es auf einen Blick: Alles, was sich Kitas für ihre Kinder wünschen, steht ganz oben – und ruht auf den Sinnen.

Das Wahrnehmungshaus von Ute Junge: Im grünen Fundament stehen die sieben Sinne, unterteilt in Nahsinne und Fernsinne. Darüber liegen vier orangefarbene Bausteinreihen mit Fähigkeiten wie Muskeltonus, Körperschema, Auge-Hand-Koordination und Bewegungsplanung. Die blaue Decke nennt Motivation, Aufmerksamkeit, Aufnahmefähigkeit, Konzentration und soziales Verhalten. Im Dach stehen Mut, Selbstvertrauen, Vertrauen, Toleranz und Verantwortungsgefühl.
Das Wahrnehmungshaus © 2012 Ute Junge. Abbildung mit freundlicher Genehmigung.
  1. Das Dach: Persönlichkeit

    Mut, Selbstvertrauen, Vertrauen, Toleranz, Verantwortungsgefühl für sich und andere.

  2. Die Decke: Lernvoraussetzungen

    Motivation, Aufmerksamkeit, Aufnahmefähigkeit, Konzentration, soziales Verhalten. Genau das, woran im Kita-Alltag alles hängt.

  3. Die Bausteine: Fähigkeiten

    Muskeltonus und Gleichgewichtsreaktion, Körperschema und Lateralität, Auge-Hand-Koordination, Bewegungsplanung und Raumwahrnehmung – vier Reihen, die aufeinander aufbauen.

  4. Das Fundament: die sieben Sinne

    Die drei Nahsinne – Tasten, Eigen- und Tiefenwahrnehmung, Gleichgewicht – tragen den größten Teil. Dazu kommen die vier Fernsinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken.

Ein Haus baut man von unten. Wenn im Fundament etwas fehlt, wackeln die Stockwerke darüber – und sichtbar wird das erst oben: beim Stillsitzen, beim Zuhören, im Umgang mit anderen Kindern. Dort anzusetzen, wo es auffällt, hilft dann wenig.

Was sich für ein Team dadurch ändert

Sensorische Integration ist kein Zusatzangebot für einzelne Kinder. Sie verändert, wie ein Team den ganzen Tag gestaltet.

  • Verhalten wird lesbar. Ein Kind, das beißt oder wegläuft, gilt nicht mehr als schwierig, sondern zeigt einen Bedarf, auf den man antworten kann.
  • Räume wirken mit. Geschlossene Regale, klare Farben, nichts frei Hängendes, feste Plätze – Raumgestaltung entlastet spürbar.
  • Pausen bekommen einen Sinn. Reize werden in Pausen verarbeitet. Ohne sie legt sich Reiz über Reiz, und das Kind findet schlechter zurück.
  • Elterngespräche werden leichter. Statt einer Verhaltensbeschreibung gibt es eine Erklärung – und konkrete Anregungen für zu Hause.
  • Das Team spricht eine Sprache. Gemeinsame Begriffe und Beobachtungskriterien statt widersprüchlicher Einschätzungen im Kollegium.
  • Vieles geht nebenbei. Wickeln, Anziehen, Vorlesen, Rangeln: Wahrnehmungsförderung braucht keinen Extra-Termin.

Sensorische Integration ersetzt keine Therapie und keinen Arzt. Sie ist ein ergänzendes, alltagstaugliches Angebot – und gerade deshalb im Gruppenalltag wirksam.

Deshalb wird im Seminar angefasst, nicht zugehört

Wie viel vom Gelernten bleibt, hängt davon ab, wie es aufgenommen wurde. Wer einen Reiz selbst gespürt hat, weiß, was er einem Kind zumutet.

Im Seminar geben und bekommen Sie Reizsetzungen selbst: Creme, Speisestärke, Rasierschaum, Druck mit dem Pezziball, Klangschalen, die Hängematte. Dazu kommen Videobeispiele aus der Praxis und der Austausch über Kinder aus Ihren eigenen Gruppen.

Ein Kleinkind sitzt auf einer Folie und verteilt mit den Händen Creme auf dem eigenen Bein.
Der Reiz: Das Kind bestimmt selbst, wo und wie viel.
Dasselbe Kind sitzt ruhig auf einer Matte, hält ein schweres Kissen im Arm und schaut versunken nach unten.
Und die Pause: Jetzt wird verarbeitet, das Kind schaut nach innen.

Diese Pause ist kein Leerlauf. Im Seminar ist sie einer der wichtigsten Punkte: Ohne sie legt sich Reiz über Reiz, das Kind wird unruhig und findet schlecht zurück ins Geschehen.

Zum Ausprobieren: mein Rezept für selbstgemachte Knete – eines der Materialien aus dem Seminar, frei zum Nachmachen.

Wie viel bleibt hängen?

  • Ein Konzeptpapier über Wahrnehmungsförderung im Regal verändert noch keine Gruppe.

  • Ein Vortrag trägt, solange er frisch ist. Nach zwei Wochen ist davon wenig übrig.

  • Ein Video zeigt, wie ein Kind reagiert – aber nicht, wie sich der Reiz anfühlt.

  • Video und Erklärung zusammen: Jetzt entsteht ein Bild davon, was im Kind vorgeht.

  • Im Austausch über ein Kind aus der eigenen Gruppe wird aus Wissen eine Einschätzung.

  • Wer die Creme selbst auf dem Arm gespürt hat, weiß, was er einem Kind zumutet. Das vergisst man nicht mehr.

Das Seminar: drei Tage, die aufeinander aufbauen

Jeder Tag steht für eine Ebene des Fundaments. Sie können einzeln buchen oder alle drei – wie es zu Ihrem Team und Ihrem Fortbildungsbudget passt.

Tag 1

Einführung und Tastsinn

  • Was Sensorische Integration ist – und was sie nicht ist
  • Nah- und Fernsinne, das Wahrnehmungshaus
  • Der Tastsinn und seine Entwicklung von Anfang an
  • Reizsucher und Reizvermeider sicher unterscheiden
  • Videobeispiele aus der Praxis, Austausch im Team
  • Erste eigene Reizsetzungen, Bedeutung der Pausen

Tag 2

Eigen- und Tiefenwahrnehmung

  • Stellungssinn, Bewegungssinn, Kraftsinn, Spannungssinn
  • Wie das innere Körperbild entsteht
  • Auffälligkeiten erkennen: von Stifthaltung bis Sprache
  • Zusammenhang von Hand- und Mundmotorik
  • Reizsetzung in Ruhe erleben und selbst geben
  • Spiele und Angebote für den Gruppenalltag

Tag 3

Gleichgewicht, Hören und Sehen

  • Das vestibuläre System, statisches und bewegtes Gleichgewicht
  • Auffälligkeiten vom Säugling bis ins Schulalter
  • Schaukeln, Hängematten und Bewegungsangebote
  • Hörsinn und Sehsinn, Sprache und Mundmotorik
  • Raumgestaltung, Alltagshilfen, Auszeitinsel
  • Elterngespräche führen und begleiten

Zwei Wege, das Seminar zu besuchen

Inhouse in Ihrer Einrichtung

Ich komme zu Ihnen. Das ganze Team lernt gemeinsam, die Beispiele kommen aus Ihren Gruppen, und die Räume, über die wir sprechen, sind Ihre eigenen. Termin und Umfang stimmen wir miteinander ab.

Fortbildung anfragen

Als offenes Seminar

Einzelne Fachkräfte können über Veranstalter wie den Kinderschutzbund, Volkshochschulen oder „Seminare die bewegen“ teilnehmen. Die Anmeldung läuft dort direkt.

Offene Termine ansehen

Für wen? Erzieherinnen und Erzieher, Kita-Leitungen, Heilpädagoginnen, Tagespflegepersonen und alle, die mit Kindern zwischen null und zehn Jahren arbeiten. Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Ein Seminarraum, in dem zahlreiche Materialien zur Wahrnehmungsförderung ausgebreitet sind: Bälle, Tücher, Bürsten, Behälter mit Naturmaterialien und Tastmaterial.
Material aus einem Seminar: Vieles davon steht in Kitas bereits im Schrank.

Kerstin Beckmann

Erzieherin, Therapeutin für Sensorische Integration und lizenzierte PEKiP-Gruppenleiterin.

Porträt von Kerstin Beckmann.

Seit über 30 Jahren arbeite ich mit Kindern – und seit dem Jahr 2000 mit dem Ansatz der Sensorischen Integration. Was mich bis heute trägt, ist der Moment, in dem ein Team ein Kind plötzlich anders sieht: nicht mehr als anstrengend, sondern als jemanden, der etwas braucht.

Meine Seminare kommen aus der Praxis. Ich arbeite weiterhin selbst in der heilpädagogischen Förderung, und die Videobeispiele, über die wir sprechen, stammen aus meiner eigenen Arbeit.

Werdegang

  • 1992 – Abschluss als staatlich anerkannte Erzieherin
  • ab 1995 – drei eigene Kinder, intensive Beschäftigung mit dem Prager-Eltern-Kind-Programm (PEKiP)
  • 2000 – Kindergarten Heidgraben; erste Kenntnisse in Sensorischer Integration in der Zusammenarbeit mit Ute Junge
  • 2011 – Abschluss der Lehrgangsreihe Sensorische Integration bei „Seminare die bewegen“ in Wien
  • 2017 – zusätzlich heilpädagogische Förderung im Kindergarten Heidgraben
  • heute – Referentin für Fortbildungen in Kitas, bei Kinderschutzbund, Volkshochschulen und „Seminare die bewegen“

Woher der Ansatz kommt

Die Theorie der Sensorischen Integration geht auf die amerikanische Beschäftigungstherapeutin und Entwicklungspsychologin Jean Ayres (1920–1989) zurück. Ins Deutsche übersetzt wurde sie von Inge Flehmig, verbreitet im deutschsprachigen Raum vor allem durch Ute Junge und Ulla Kiesling. Auf Ute Junges Wahrnehmungshaus baut dieses Seminar auf.

„Etwas, was man nicht kann, kann man nicht üben.“
Jean Ayres

Wo ich bereits unterrichtet habe

  • Kinderschutzbund Lübeck
  • Seminare die bewegen, Wien
  • Volkshochschule Tornesch

Das sagen Teilnehmende

Rückmeldungen aus den Feedbackbögen der Lehrgangsreihe. In den Kategorien „Inhalt ist interessant“ und „anwendbar für die eigene Arbeit“ gaben die Teilnehmenden durchgängig die Bestnote.

„Kann vieles mitnehmen und verstehe die Bedürfnisse der Kinder viel besser und weiß jetzt mehr, wie ich sie im Alltag besser begleiten kann.“
Rückmeldung einer Teilnehmerin
„Richtig tolles Seminar mit so vielen Anregungen für die Praxis, aber auch das theoretische Wissen wurde klar und einfach vermittelt.“
Rückmeldung einer Teilnehmerin
„Kerstin ist sehr gut und viel auf unsere Fragen zur Praxis eingegangen. Dadurch kann ich mir viel mitnehmen.“
Rückmeldung einer Teilnehmerin
„Ein zweites Wochenende wäre wünschenswert, für noch mehr so großartige Inputs – die Zeit war zu kurz.“
Rückmeldung einer Teilnehmerin

Offene Termine bei Veranstaltern

Diese Seminare können einzelne Fachkräfte direkt beim jeweiligen Veranstalter buchen. Die Anmeldung läuft nicht über mich.

Weitere Termine bei Volkshochschulen und Städten werden hier ergänzt, sobald sie feststehen.

Fortbildung anfragen

Schreiben Sie mir, was Sie beschäftigt – ein paar Sätze genügen. Ich melde mich und wir klären gemeinsam, was zu Ihrem Team passt.

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Inhouse-Fortbildungen sind ganzjährig möglich. Für Termine in der zweiten Jahreshälfte lohnt eine Anfrage im Frühjahr.